01.04.2025
Ärzte ohne Grenzen ist in den betroffenen Erdbebengebieten in Mandalay und dem Süden des Bundesstaates Shan. Medizinische Teams mit Logistiker:innen sowie Expert:innen für Wasserversorgung und sanitäre Anlagen evaluieren die Lage, um den Nothilfeeinsatz durchführen zu können.

Themengebiet:

Es ist nach wie vor schwierig, das volle Ausmaß der Schäden und des medizinischen Bedarfs zu ermitteln, da es in den am stärksten betroffenen Gebieten aufgrund des anhaltenden Konflikts zu Kommunikationsausfällen und Zugangsbeschränkungen kommt. Zudem ist noch wenig über die Situation in entlegenen Gebieten bekannt.

Die ersten Berichte aus Mandalay zeichnen ein katastrophales Bild. Zahlreiche Gebäude sind zerstört oder stark beschädigt. Viele Menschen leben auf der Straße oder verbringen die Nacht in Klöstern. Sie wollen nicht in beschädigte Gebäude zurückkehren und sind vor allem auf der Suche nach sauberem Wasser und Latrinen. Die Stromversorgung in der Stadt ist stark eingeschränkt. Dies erschwert es, die Situation in der Nacht zu beurteilen.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Mandalay berichten von drei kleinen Nachbeben am Montag, die jedoch keine Folgeschäden verursacht haben. Aktuell gibt es noch kein vollständiges Bild über das Ausmaß des Erdbebens. In den nächsten Tagen werden konkretere Informationen von den Erkundungsteams eintreffen. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich hauptsächlich darauf, den Bedarf an Notfallversorgung zu ermitteln, um das bestehende Gesundheitssystem bei lebensrettenden Operationen zu unterstützen und insbesondere bei der Versorgung von Quetschverletzungen zu helfen, die von Gebäudeeinstürzen herrühren. Dafür wird festgestellt, welche Krankenhäuser funktionieren und welche Art der Unterstützung benötigt wird. Gesundheitseinrichtungen benötigen eine stabile Strom- und Wasserversorgung, um lebensrettende Operationen oder Entbindungen durchführen zu können. Schäden an den Einrichtungen müssen möglicherweise dringend repariert werden, es müssen provisorische Strukturen errichtet oder Vorräte wieder aufgefüllt werden. Die regelmäßige Versorgung von Patient:innen mit chronischen Erkrankungen, wie etwa HIV/AIDS, Tuberkulose, Diabetes oder Bluthochdruck, mit Medikamenten muss sichergestellt werden.

Der Einsatz erfahrener Erkundungsteams und im Idealfall auch gleich medizinische Notfallversorgung ist in den ersten Stunden und Tagen nach einem Erdbeben von entscheidender Bedeutung. Dazu zählen lebensrettende Operationen und chirurgische Eingriffe zur Rettung von Gliedmaßen, aber auch weitere medizinische und humanitäre Nothilfe. 

Außerdem ist es von entscheidender Bedeutung, wie die Wasser- und Sanitärsituation ist. Zugang zu sauberem Trinkwasser ist essenziell für die Eindämmung von endemisch übertragbaren Krankheiten.

Ärzte ohne Grenzen steht in Kontakt mit den zuständigen Behörden: Das medizinische Personal in Myanmar und den Nachbarländern bereitet sich darauf vor, dem Hilfsbedarf in den betroffenen Gebieten in großem Umfang gerecht zu werden und die laufenden Hilfsmaßnahmen in Mandalay und Naypyitaw sowie in allen anderen betroffenen Gebieten zu unterstützen. 

Das Ausmaß der Zerstörung wird immer deutlicher. Schon jetzt ist klar, dass eine massive Aufstockung der Hilfe dringend erforderlich ist, um weitere Todesfälle und weiteres Leid zu verhindern: Ein Notfall dieser Größenordnung übersteigt die Kapazitäten einer einzelnen Organisation. Während ein Großteil der Bilder und Informationen die Auswirkungen in städtischen Gebieten – etwa aus Mandalay – zeigen, könnten Gemeinden in entlegeneren Gebieten anders gelagerte Probleme haben. Alle vom Erdbeben betroffenen Menschen, unabhängig davon, wo sie leben, benötigen Zugang zu lebensrettender medizinischer und humanitärer Hilfe – unabhängig von ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit oder politischer Einstellung.

Die in Myanmar und Thailand tätigen Teams von Ärzte ohne Grenzen sind in Sicherheit und wurden nach einem Erdbeben der Stärke 7,7 in der Zentralregion in der Nähe von Mandalay, der zweitgrößten Stadt Myanmars (mit 1,5 Millionen Einwohner:innen), ausfindig gemacht.

Werner Reiter | Ärzte ohne Grenzen

Werner Reiter

Press Officer